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Don’t read the comments. Don’t feed the trolls. Read a book.

Es gab mal eine Zeit, da war ich auch neu im Internet. Ewig her, letztes Jahrtausend. Auch damals wurde schon im Netz diskutiert, getrollt, beleidigt und geblockt. Schon damals war es so, dass die Kommentare auf dem eigenen Monitor in gefühlt physischer Nähe zu einem selbst erschienen. Dadurch wurden sie irgendwie persönlich, auch wenn sich nur austauschbare Pseudonyme gezankt haben. Auch ich habe in Foren und Newsgroups gut rumgestresst und Stress abbekommen.

Relevanz und Erkenntnisgewinn war immer genau null. Geschlafen habe ich trotzdem manchmal nicht, weil ich so wütend war.

Was früher allerdings anders war, war die gesellschaftliche Relevanz des Internets. Es gab nur eine kleine Minderheit die überhaupt in der Lage war, sich mit dem Netz zu verbinden. Da war die technologische Hürde, die es zu überwinden galt. Sie hat die Masse davon abgehalten, sich überhaupt mit virtuellen Diskussionen beschäftigen zu müssen.

Das ist jetzt anders. Das Internet und Plattformen wie Facebook sind Mainstream. Und nicht nur das. Es braucht keine nennenswerte Qualifikation mehr um online zu sein. Internetzugang gibt es bei Aldi. Das ist Fluch und Segen gleichermaßen. Mittlerweile sind Leute im Netz, die Schwierigkeiten haben, eine Tastatur korrekt zu bedienen. Brauchen sie ja auch nicht.

Für alle ist am Anfang Virtualität eine neue Erfahrung. Den Prozess zu merken, dass ein Hasskommentar im Internet nichts bewirkt, außer einen weiteren Hasskommentar zu erzeugen, haben viele einfach noch nicht durchlebt. Es wird auch noch etwas dauern, bis der Groschen bei allen gefallen ist. Ging bei mir auch nicht von heute auf morgen.

Nun haben diese ganzen Hasskommentare mittlerweile ihrerseits gesellschaftliche Relevanz bekommen. Sie schaffen es in die Hauptnachrichten und beschäftigen Spitzenpolitiker, sind ihrerseits aber keine organisierte Instanz mit Botschaft wie beispielsweise eine Demonstration. Sie sind individueller Frust. Auch gerne mal losgelöst vom Thema.

Weil das so ist, habe ich beispielsweise überhaupt keine Lust mehr, Kommentare zu lesen, geschweige denn sie zu beantworten. Besonders bei reichweitenstarken Publikationen nicht. Wäre schön, wenn so manch anderer seine Energie auch besser kanalisieren würde.

Don’t read the comments. Don’t feed the trolls. Read a book.