LLMs.txt Dirk Murschall ⁄ Dein Feedback auf meine Inhalte gehört zu mir (IndieWeb)

Dein Feedback auf meine Inhalte gehört zu mir (IndieWeb)

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In meinem Kopf hat sich in letzter Zeit ein Paradigmenwechsel vollzogen. Grund dafür ist der von Johnny Haeusler in der deutschen Wired angestoßene Diskurs über die Sinnhaftigkeit eigener Content-Silos (Inhalte sollten dorthin, wo die Nutzer sind, also in die sozialen Netzwerke) sowie die experimentelle Arbeit mit den Ideen des IndieWeb von Felix Schwenzel. Das alles hat kürzlich zu dem großartigen Blogbeitrag Syndication geführt. Felix beschreibt darin, wie er es schafft, Inhalte selbst zu hosten und gleichzeitig eine friedliche Koexistenz mit dem viel agileren Feedback in sozialen Netzwerken zu führen.

Die Grundsituation: In sozialen Netzwerken wird viel mehr mit Inhalten interagiert als auf den im Netz verstreuten Webseiten (Blogs). Daran ändern auch Dienste wie Disqus, eine zentrale Diskussionsplattform, wenig.

Die gängige Lehrmeinung im Corporate Publishing ist, dass man die eigene Website oder den eigenen Blog als Hub nimmt und versucht, über Teaser im Social Web möglichst viel Traffic auf die eigene Plattform zu bekommen. Dabei nimmt man immer einen kleinen Medienbruch in Kauf, da der User das Biotop eines Netzwerkes (z.B. die App) verlassen muss, um den Inhalt eines Beitrages vollständig erfassen zu können. Das macht nicht jeder mit. Außerdem ist es auf Netzwerkplattformen einfacher zu interagieren, schon weil man sich nicht für jeden Kommentar neu anmelden muss.

Es stellt sich also die berechtigte Frage, warum die eigenen Inhalte nicht gleich komplett in das soziale Netzwerk gestellt werden, wenn sie sich dafür eignen. Die Antwort ist schnell gegeben: Man gibt die Kontrolle über die Inhalte ab. Sie sind nach wenigen Tagen nicht mehr auffindbar und verschwinden im Nachrichtenstrom. Was aber, wenn es eine echte Verbindung zwischen den Inhalten auf der eigenen Plattform und ihren Kopien im Social Web gäbe? Diese Verknüpfung würde dafür sorgen, dass nicht nur die Inhalte vollständig (automatisiert) ins Social Web gelangen, sondern auch das Feedback darauf wieder zurück auf die eigene Plattform.

Für Blogs gibt es das in die Jahre gekommene Trackback-Protokoll, das diese Art der Vernetzung innerhalb der Blogosphäre darstellte (aber nicht mehr wirklich genutzt wird). Auch die Anzeige der Anzahl der Likes und Shares von Beiträgen ist bereits ein Ansatz. Aber die vollständige Syndizierung von Inhalten und Feedback geht darüber hinaus. Es wird einfacher und erträglicher, Inhalte aus der Hand und in die Netzwerke der Konsumenten zu geben. Interaktion und Feedback fließen automatisiert auf die eigene Plattform zurück und werden archivierbar. Das IndieWeb (indiewebcamp.com) entwickelt sich zu einer interessanten Bewegung.

Und ja, ich bin immer noch der Meinung, dass man seine eigenen Webseiten für die Veröffentlichung nutzen sollte, allein schon wegen der Hoheit über die Inhalte.

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