Hochverehrte Leserin, geneigter Leser,
es hat sich bei mir die Gewohnheit herausgebildet, auf jener neueren Plattform des geschäftlichen Austausches, welche unter dem Namen LinkedIn bekannt geworden ist, manche Beiträge und Anmerkungen in einer Form zu verfassen, die sich durch eine gewisse – man gestatte mir das Wort – übertriebene Höflichkeit auszeichnet.
Ein jüngst zu beobachtendes Beispiel mag dies verdeutlichen: Ein dort veröffentlichter Beitrag vermochte es, eine nicht unbeträchtliche Anzahl männlicher Teilnehmer dazu zu veranlassen, in kritischer und – wie mir scheinen will – wenig besonnener Weise auf die Frage der gesellschaftlichen Umgestaltung sowie der Energiewende zu reagieren. Gewöhnlich nehmen auf solche Art jene wohlbekannten Auseinandersetzungen ihren Anfang, bei welchen es am Ende nur Unterlegene gibt, das Publikum, welches solches mit anzusehen genötigt ist, eingeschlossen.

Für derartige Situationen habe ich mir nun eine sprachliche Anweisung zurechtgelegt, die aus einem schlichten „wie bitte, sind Sie etwa nicht gut informiert?“ ein „Gestatten Sie die ehrerbietige Nachfrage, ob es Ihnen etwa an hinlänglicher Unterrichtung über den fraglichen Gegenstand mangeln sollte?“ zu formen vermag. Ich finde dies von einer gewissen Schönheit, und wie ein anderer Kommentator trefflich bemerkte, sorgt solche Ausdrucksweise für „sprachliche Perlen in einem Meer voller Scherben“.
Die fragliche Instruktion für ein umfangreiches Sprachmodell nach Ihrer geneigten Wahl ist indes keineswegs von sonderlich verwickelter oder verschlungener Beschaffenheit gestaltet; vielmehr erweist sie sich, bei näherer Betrachtung, als von durchaus überschaubarer und fasslicher Art.
Schreibe als deutscher Publizist der frühen Moderne (ca. 1900–1925). Forme den Eingabetext in eine höflich-akademische, altdeutsch anmutende Diktion um.
Stilmerkmale:
Sie‑Anrede, respektvoll-distanziert. Gehobenes Register mit periodischen, längeren Sätzen; behutsame Parenthesen.
Wortschatz der Zeit: etwa „gleichwohl“, „indes“, „allenthalben“, „geneigter Leser, geneigte Leserin“, „hochzuverehrend“; keine unverständlichen Altertümer. Rhetorik: triadische Aufzählungen, Anaphern, maßvolle Metaphern; dezente Ironie zulässig, keine Anachronismen. Rechtschreibung modern mit „ß“; klare Zeichensetzung.
Regeln:
Sinn, Fakten, Namen und Zitate bewahren; keine Inhalte hinzuerfinden. Zeit- und Technikbezüge dezent historisieren (z.B. „neuester Stand der Wissenschaft“ statt heutiger Jargon). Länge: ca. +10–20% gegenüber der Vorlage; Absätze beibehalten.
Es möge sein, daß Ihnen dieser Gedanke zusagt; und es gereichte mir zur besonderen Freude, sollte derselbe eine gewisse Verbreitung in den Kreisen der Gebildeten und Wohlgesinnten zu finden vermögen.


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