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Die Klimamaschine in Hamburg

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Ein Besuch im Deutschen Klimarechenzentrum zeigt: Je genauer wir die Zukunft berechnen wollen, desto mehr Demut verlangt sie uns ab

Hamburg-Eimsbüttel, Bundesstraße 45a. Ein unscheinbarer Zweckbau, der von außen eher an eine Krankenkassenzentrale erinnert als an einen Ort, an dem die Zukunft der Erde simuliert wird. Doch hinter diesen Mauern arbeitet Levante, einer der leistungsfähigsten Supercomputer Europas – und er hat nur eine Aufgabe: das Klima zu verstehen.

So funktioniert ein Klimamodell

Was ist eigentlich ein Klimamodell? Die Antwort ist ernüchternd präzise: Physik, in Gleichungen gegossen. Die Atmosphäre, zerlegt in Millionen von Gitterzellen. Jede Zelle ein Rechenknoten, in dem Temperatur, Druck, Feuchtigkeit und Windgeschwindigkeit miteinander ringen.

„Wir simulieren nicht das Wetter von morgen. Wir simulieren die Statistik des Wetters über Jahrzehnte.“ Es ist, als würde man nicht versuchen, den nächsten Würfelwurf vorherzusagen, sondern die Wahrscheinlichkeitsverteilung aller möglichen Würfe in den nächsten einhundert Jahren.

Levante rechnet die Zukunft

Der Gang in den dritten Stock führt zum Herzstück. Levante empfängt uns mit dem gleichmäßigen Rauschen hunderter Ventilatoren. 2022 in Betrieb genommen, leistet der Rechner 14 Petaflops – 14 Billiarden Rechenoperationen pro Sekunde.

Die Racks stehen in Reih und Glied wie die Regale einer Bibliothek. Nur dass hier keine Bücher lagern, sondern kondensierte Zukunft: Szenarien, in denen das Eis der Arktis schmilzt oder hält, in denen der Golfstrom kippt oder weiterströmt. Levante verbraucht einige Megawatt an Strom – so viel wie ein kleines Dorf. Die Abwärme heizt seit Kurzem umliegende Gebäude.

Was bleibt

Hunderte Wissenschaftler, Milliarden Datenpunkte, jahrelange Rechenzeit – für Projektionen, die dennoch mit Unsicherheiten behaftet bleiben. Das DKRZ führt vor Augen, wie aufwendig es ist, der Wahrheit über unseren Planeten auch nur ein Stück näher zu kommen.

Es ist eine demütigende und zugleich ermutigende Erfahrung. Demütigend, weil die Komplexität des Erdsystems jeden Hochmut über unser Wissen relativiert. Ermutigend, weil hier Menschen arbeiten, die sich von dieser Komplexität nicht abschrecken lassen.

Draußen, zurück in der Hamburger Winterluft, ein letzter Gedanke: Wer behauptet, die Klimaforschung liefere keine belastbaren Ergebnisse, sollte einmal in diesem Gebäude eine Führung gemacht haben. Nicht um überwältigt zu werden von der Technik – sondern um zu sehen, wie viel Sorgfalt in jeder einzelnen Projektion steckt.

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