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ScrumMaster sind die neuen Meister des Gelingens

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In einer Arbeitswelt, die sich nach Agilität sehnt, versprechen neue Methoden Erlösung. Ein Training mit denjenigen, die das Scheitern lehren, um den Erfolg zu ermöglichen – und eine bestandene Prüfung als Zeugnis eines Paradigmenwechsels.

Die moderne Arbeitswelt hat einen neuen Gral: die Agilität. Sie ist das Mantra, das aus den Vorstandsetagen bis in die kleinsten Team-Meetings hallt, eine fast schon mythische Beschwörungsformel gegen die Unwägbarkeiten des Marktes und die Trägheit der Konzerne. Doch was verbirgt sich hinter dem Modewort, das so oft beschworen und so selten verstanden wird? Auf der Suche nach einer Antwort landet man unweigerlich bei Methoden wie Scrum und bei einer Rolle, die ebenso zentral wie missverstanden ist: dem ScrumMaster.

Ein Anbieter solcher Ausbildungen, die Hamburger Beratung Jensen und Komplizen, stellt ihrem Online-Auftritt ein Zitat von Tom Kelley voran, das als Leitmotiv für den gesamten agilen Kosmos dienen könnte: „Fail often so you can succeed sooner.“ Scheitere oft, damit du schneller erfolgreich sein kannst. In diesem Satz liegt eine kopernikanische Wende gegenüber dem klassischen Management-Denken, das Fehler primär als zu vermeidende Kostenfaktoren betrachtet. Hier wird das Scheitern nicht nur enttabuisiert, es wird zur produktiven Notwendigkeit erhoben, zum Motor des Lernens und des Fortschritts.

Genau hier setzt das Versprechen des „Certified ScrumMaster“ Trainings an. Es geht nicht darum, ein weiteres Zertifikat für die E-Mail-Signatur zu erwerben. Es geht um einen fundamentalen Wandel der Perspektive. Die Webseite des Anbieters macht unmissverständlich klar, dass das Potenzial eines ScrumMasters in der Praxis oft sträflich unausgeschöpft bleibt. Man degradiere ihn zum reinen „Moderator von Meetings“, zu einer Art Zeremonienmeister für tägliche Kurzbesprechungen und wöchentliche Planungsrunden. Doch die wahre Aufgabe, so die Überzeugung der Trainer, sei eine viel tiefere: Der ScrumMaster ist Coach, Hindernis-Beseitiger, Prozess-Optimierer und vor allem ein Hüter der agilen Werte.

Die Ausbildung selbst ist eine Manifestation ihrer Inhalte. Statt der erwarteten PowerPoint-Schlacht erwartet die Teilnehmer eine fast schon archaisch anmutende Szenerie: Flipcharts, Stifte und die Dynamik der Gruppe. „Erfahrung kommt durch Erleben“, lautet die Devise. Das Training selbst wird zu einem Scrum-Projekt. Es gibt eine Vision, ein Backlog an Themen, das im Laufe der Tage iterativ angepasst wird, und Sprints, in denen die Inhalte erarbeitet werden. Man lernt Scrum, indem man Scrum lebt. Diese didaktische Immersion sorgt für jene „Aha-Momente“, von denen die Veranstalter sprechen. Man versteht nicht nur die Regeln, man fühlt die Prinzipien.

Man lernt, dass Scrum kein Allheilmittel ist, sondern ein Rahmenwerk, dessen Sinnhaftigkeit vom Kontext abhängt. Man verinnerlicht die unterschiedlichen Haltungen – die des Dieners, des Mentors, des Lehrers –, die ein exzellenter ScrumMaster einnehmen muss. Und man diskutiert, wie sich diese Ideen, die oft in der Softwareentwicklung geboren wurden, auch auf andere Branchen und größere Unternehmenskontexte skalieren lassen.

Am Ende dieser intensiven Reise durch die Welt der agilen Produktentwicklung steht die Prüfung der Scrum Alliance. Sie ist mehr als ein reiner Wissenstest. Sie ist die Bestätigung, das Gelernte nicht nur kognitiv erfasst, sondern durchdrungen zu haben. Mit dem bestandenen Zertifikat in der Hand wird klar, dass man nicht nur eine Methode gelernt hat, sondern eine neue Haltung zur Arbeit, zum Erfolg und eben auch zum Scheitern. Man ist nun offiziell ein Meister des Scrum – und damit vielleicht auch ein neuer Meister des Gelingens in einer Welt, die sich permanent wandelt.

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